Heute freue ich mich über ein Türschild.
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(via je voudrais que) |
Es bringt mich zum lachen, vor allem, weil es mich an mein linkisches, immer unglücklich verliebtes, Schokolade futterndes Teenager-Ich mit Freundschaftsarmband und dessen Musikvorlieben erinnert.
Ich war vierzehn und fand Salt'n'Pepa super. Diese hautengen Klamotten, das Hüftschütteln, es ging da irgendwie um Sex, das ahnte ich und davon hatte ich überhaupt keine Ahnung, deshalb fand ich es auch ein bisschen unheimlich. Uh, Baby, Baby.
Und wo wir gerade dabei sind, hier der Rest meiner Teenage-Top-Ten:
Nena: Nur geträumt
Ich war zwölf und habe auf Achselhaare und meine Periode gewartet und wollte nichts mehr, als eine Nena-Schallplatte. Ich habe mein Taschengeld gespart und meiner Mutter verkündet, dass ich, wenn ich es endlich geschafft hätte, diese Platte den ganzen Tag spielen würde, jeden Tag. Damals gab es in unserer Wohnung nur einen Plattenspieler, der stand im Wohnzimmer, meine armen Eltern, meine armen Schwestern, sie haben sehr gelitten, denn natürlich habe ich meine Drohung wahr gemacht. Nena around the clock. Meine Familie war extrem erleichtert, als ich endlich konfirmiert wurde und mir eine eigene Stereoanlage kaufen konnte. Ich habe beides noch, Anlage und Nena-Schallplatte.
Bon Jovi: Livin' on a prayer.
An dieses Lied habe ich zwei Erinnerungen. Eine davon ist ganz klar und deutlich, die zweite eher verschwommen.
1987. Eine Gruppe junger Menschen, Teenager, zusammengepfercht in einem Bus, auf dem Weg nach Südtirol ins Schullandheim. Im Bus ist es erstaunlich ruhig, denn auf fast allen Teenagerköpfen sitzen sperrige Kopfhörer, sie summen vor sich hin und schütteln die pickligen Häupter im Takt der Musik. Nur ein paar Unglückliche sitzen ohne Kopfhörer da, aus unverständlichen Gründen haben sich ihre Eltern geweigert, ihnen einen Walkman zu kaufen und sie so zu totalem Uncoolsein verdammt. Ich war eine davon. Ich musste schmollen, Bravo lesen und mit dem superchristlichen walkmanlosen Mädchen reden. Ich war SO wütend auf meine Eltern. Und auf meine Freundin I., sie hat die ganze Fahrt Slippery when wet gehört und sich geweigert, mir die Kopfhörer auch nur für 2 Minuten zu überlassen.
2004. U. und ich besuchen eine Karaokeparty. Wir wollen es krachen lassen und trinken daher sehr viel Wodka-Kirsch. Wirklich viel. Irgendwann stehen wir auf der Bühne und performen Livin' on a prayer. Leider können wir nicht singen. Leider können wir den Text nicht lesen, der Monitor ist viel zu klein und außerdem dreht sich alles. Also machen wir nur laut UAH UAH UH UH, bis wir von der Bühne geschoben werden.
Als ich am nächsten Morgen aufwache, habe ich das Gefühl, dass die Stadtbahn nicht am Haus vorbei, sondern mitten durch meinen Kopf fährt. Uah uah uh-uh.
Pet Shop Boys: It's a sin
Auch ein Schullandheim-Hit. Das Lied war auf der Kassette, die M. mitgebracht hat. Sie hat mir auch von dem Video erzählt, dass es total gruselig sei und so. Ich selbst hatte es nie gesehen, denn außer dass sie mir keinen Walkman kauften, weigerten sich meine Eltern auch, Kabelfernsehen anzuschaffen, so dass ich Musikvideos nur vom Hörensagen kannte (ich durfte auch nicht oft Formel Eins gucken, wegen meiner dämlichen kleinen Schwestern und weil meine Eltern fanden, wir sollten am Samstag Sachen machen, wie beim Auto waschen helfen und so). So hing ich an M.s Lippen und stellte mir dieses wahnsinnig gruselige Video vor. Pfff, M., SO gruselig ist das Video gar nicht.
George Michael: I want your sex
Der dritte Schullandheim-Hit. Im Video war George Michael noch nicht schwul, sondern hat mit seiner Freundin Liebe gemacht. Wir mochten das Lied nur, weil wir die ganze Zeit laut "SEX" brüllen und kichern konnten.
Tanita Tikaram: Twist in my sobriety
Ich habe überhaupt nicht verstanden, worum es in diesem Song ging, ich weiß heute noch nicht, was twist in my sobriety bedeutet, aber Tanitas warme dunkle Stimme hat mir Gänsehaut gemacht und mir das Gefühl gegeben, dass irgendetwas BEDEUTSAMES kommen wird. Außerdem hatte sie auch so komische Augenbrauen wie ich.
Terence Trent D'Arby: Sign your name
Meine Freundin S. war im Gegensatz zu mir ein wirklich cooles Mädchen. Sie war selbstbewusst, rebellisch, klug und sah phantastisch aus. Sie hatte schon mit vierzehn Stil und einen exzellenten Musikgeschmack. In ihrer Plattensammlung fand sich auch das Album von Terence Trent D'Arby. Wir haben uns in ihr Zimmer eingeschlossen, ganz viel Cola getrunken, wie wild getanzt und Terences Gesicht auf dem Cover geknutscht. Ob sich S. auch noch daran erinnert?
T'Pau: China in your hand
Ich liebte dieses Lied. Ich habe den Text in mein Tagebuch geschrieben, ich dachte, ich würde nie wieder ein besseres Lied hören. Ich war besessen von diesem Lied. Auch wenn ich es seltsam fand, dass jemand China in der Hand hlaten könnte, immerhin ein ziemlich großes Land.
Eine Zeitlang hatte ich sogar ähnlich zotteliges rotes Haar wie die Sängerin. Kein Highlight meiner Frisurenkarriere, aber was tut man nicht alles aus Liebe.
T'Pau: China in your hand
Ich liebte dieses Lied. Ich habe den Text in mein Tagebuch geschrieben, ich dachte, ich würde nie wieder ein besseres Lied hören. Ich war besessen von diesem Lied. Auch wenn ich es seltsam fand, dass jemand China in der Hand hlaten könnte, immerhin ein ziemlich großes Land.
Eine Zeitlang hatte ich sogar ähnlich zotteliges rotes Haar wie die Sängerin. Kein Highlight meiner Frisurenkarriere, aber was tut man nicht alles aus Liebe.
Dirty Dancing! Mein Baby gehört zu mir! Ich habe eine Wassermelone getragen! Verstehst du nicht, dass ich dich brauche, Johnny?? Für diesen Film habe ich die Schule geschwänzt, mein Taschengeld geopfert und bin mit Hans Wolfgang in den Tanzkurs gegangen. I really had the time of my life.
Die Ärzte: Zu spät
Die einzige Band, von der ich ein Poster an der Wand über meinem Kassettenrekorder, 2 T-Shirts im Schrank und alle Schallplatten hatte. Unglücklicherweise begann meine Liebe unmittelbar bevor sich die Band 1988 aufgelöst hat, so dass ich mich damit begnügen musste, bei der wöchentlichen Teenie-Disco der örtlichen Tanzschule laut Westerland zu singen und mit meiner Freundin B. eine Ärzte-Cover-Band zu gründen, sie spielte Akkordeon, ich Klarinette.
Live gesehen habe ich Die Ärzte dann 2004 oder so. Aus Sentimentalität. Und während alle Bier getrunken und sich amüsiert haben, musste ich vor ein wenig weinen, für mein 16-jähriges Ich.
(via pinterest) |
Hab ich das vielleicht gern gelesen. Tanita Tikaram hatte ich schon vergessen, dabei ging es mir genauso wie dir. Auch sehr wichtig: Marius Müller-Westernhagen. Und Grönemeyer natürlich. Schon ein bisschen später: New Model Army. Die Ärzte. Nirvana. Pearl Jam. Alanis Morissette. Tori Amos. Sade. Hahaha, mir wachsen gerade blaue Chucks. Ein schönes Wochenende, liebe Silke!
AntwortenLöschenOh, Alanis, die war mir auch sehr wichtig, vor allem die erste Platte. Und später wurde ich dann ein richtiges Stromgitarrenmädchen. Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Alice in Chains. Rage Against The Machine. Red Hot Chili Peppers. Ach ja, ich glaube, wir hätten gut zusammen tanzen gehen können. Das allerbeste Wochenende, tollste Okka!
AntwortenLöschenwunderbar geschrieben - dein Blog ist sowieso der absolute Hammer! Es macht so einen Spaß hier zu stöbern, weiter so!
AntwortenLöschenLG, Patrizia
Wir scheinen ziemlich im selben Alter zu sein :-))) Gottseidank ist die Pubertät vorbei.. LG Sue
AntwortenLöschenVielen Dank, liebe Patrizia, ich freu' mich über Dein Kompliment!
AntwortenLöschenUnd Sue: da sagste was - ich bin auch extrem froh, dass der Scheiss' vorbei ist. Vor allem, wenn mir bei der Arbeit von Schülerinnen vor Augen geführt wird, wegen was für unfassbar sinnlosem Kram man sich da grämt...