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Nach Hause kommen

Letzten Mittwoch warst Du wieder da, E. Du bist jeden Tag da, seit Du weg bist (vor über 2 Jahren bist Du gegangen, 2 Jahre, verdammt nochmal!), manchmal ganz nah, manchmal weiter weg, manchmal nur ein Punkt am Horizont. Jedenfalls, als ich am Mittwoch Spargel geschält habe, lief nebenher "Sing meinen Song" auf dem Computer. Eine Sendung, die eigentlich nicht mal ein guilty pleasure ist, mir erscheint dieses gegenseitige Abfeiern oft aufgesetzt und The BossHoss oder Mark Forster oder gar der unsägliche Xavier Naidoo sind so überhaupt nicht meins, aber in dieser Staffel ist Judith Holofernes dabei und die finde ich ziemlich toll. Wir sind Helden haben mich noch ein bisschen durch mein Studium begleitet, eine gute Zeit, und ich halte sie für eine großartige Schreiberin, die so begeistert über dieses Format schreibt , dass ich mir ihre Folge nicht entgehen lassen konnte. Und bei Bring mich nach Hause warst Du dann da und ich habe in die Hollandaise geschluchzt. Hast Du D...

Ein Brief zum Jahrestag

Lieber E, heute ist es genau zwei Jahre her, seit ich Dich das letzte Mal gesehen habe. Wie (fast) immer haben wir uns zum Essen getroffen und wie immer hast Du das Restaurant vorgeschlagen. Ein thailändisches Restaurant, in das ich nie gegangen wäre, weil es sich so gut versteckt hat. In einer kleinen Nebenstrasse der großen Einkaufsmeile, zwischen Primark und Uniqlo, neben McDonalds, Dönerbuden und Billig-Chinesen, wo man für 5 Euro soviel Glutamat essen kann, wie man schafft, bevor es einem schlecht wird, war der Eingang so schwer zu finden, dass ich sogar Siri um Hilfe bitten musste. Und als wir dann am Tisch saßen, habe ich Dich damit aufgezogen, weil Du hierher wolltest, wo neben thailändischem Essen auch thailändische Massagen auf der Karte stehen. Du hast gelacht und gesagt "warte einfach ab". Und natürlich hattest Du Recht - dieses Essen! Die besten vietnamesischen Frühlingsrollen der Welt. Das beste Phad Thai Gai der Welt. Und der beste Freund der Welt.

Noch ein Brief

Lieber E, heute ist dein Geburtstag, schon der zweite, an dem du nicht da bist. Ich will bald mal wieder bei dir vorbeischauen, vielleicht aber auch nicht. Als ich das letzte Mal da war, hat mich dein Grab so traurig gemacht. Nicht etwa, weil mir aufgegangen wäre, dass du mir nie wieder schreiben wirst, ich nie wieder ein Buch lesen werde, dass du mir empfohlen hast, wir nie wieder ein neues Restaurant ausprobieren werden - in beiden Bereichen wird es nie jemanden geben, der dir das Wasser reichen kann, Essen und Lesen, das waren unsere großen Themen und du sowas wie mein Guru -,  das ist mir jeden Tag klar. Es hat mich traurig gemacht, wie verwahrlost das Grab aussah. Dir ist das vermutlich egal, wenn es so ist, wie ich es mir für dich erhoffe, tanzt du irgendwo auf deine ulkige Art und Weise herum und hast dein Elend hier schon ganz vergessen. Aber ich bin ja noch hier und ich hätte gerne gesehen, dass es jemandem wichtig ist, sich darum zu kümmern, wie es bei dir aussieht. ...

ein Brief

Lieber E, jetzt ist es schon über anderthalb Jahre her. Ich weiß noch genau wie mein Herz aussetzte, dieser fürchterliche Moment, wenn das Herz schon vor dem Kopf weiß, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist, als in meiner Facebook-Timline die Meldung aufploppte, dass du vermisst wirst und die Polizei nach dir sucht. Und mir war sofort klar, dass du tot bist. Ich hab' dich zwar noch angerufen und dir Nachrichten geschrieben, aber ich wusste es. Auch ohne das Schwarz-Weiß-Foto, das du vor deinem Verschwinden hochgeladen hast. Meine Güte, Blumen, die die Köpfe hängen lassen, geht es noch melodramatischer? Dafür werde ich dir irgendwann, wenn wir uns wieder sehen, eine reinhauen. Ich weiß auch noch genau wie ich an diesem kalten Märzsonntag auf dem Weg ins Fitnessstudio weinend mit einem Freund telefoniert habe. Wie ich versucht habe, mir die Angst und die Wut aus dem Leib zu rennen. Natürlich hat es nicht funktioniert und auf dem Heimweg war sie da, die Meldung. Man hat...