Direkt zum Hauptbereich

Danish Dynamite




Heute habe ich Korrekturtag, auf dem Schreibtisch stapeln sich Klausuren, Facharbeiten, Probeexamen, diverse Arbeitsaufträge (das ist der Nachteil: man muss  zwar nicht selbst unterrichten, sich aber dafür hinterher mit dem Zeug rumärgern)... Um Sätze wie "Helfer sucht Situationen indem er die Hilfsbereitschaft weder spontan noch rollengebündet ist, sonder mit den Gefühlen anderen Menschen spielt" zu überstehen (ja, dieser Satz steht da ganz genau so und ich soll ihn verstehen, hier wird mit meinen Gefühlen gespielt!), brauche ich Hintergrundbeschallung. Sonst höre ich im Büro nie Musik, meistens stört sie mich, jetzt brauche ich sie. iTunes 90er Jahre Hitradio. Just a girl, No Doubt. Se a vida e, Pet Shop Boys. Two Princes, Spin Doctors. Ja, so funktioniert das einigermaßen. Modelcola, Kirschen und die 90er, immer her mit den schlechten Arbeiten.
Und dann sie, Whigfield, das alte One-Hit-Wonder. Ich würde den Song nicht mal zu meinen peinlichen Lieblingssongs zählen, ich mochte ihn nicht besonders, pfff, die Whigfield, nee, also super war die nicht. Was ich mochte, worum es wirklich ging, war das Video und das Gefühl, das es transportiert: 
Es ist Samstag, endlich Wochenende, keine Schule, totale Freiheit, herrliche 48 Stunden lang. Du stehst erst zum Mittagessen auf, was deine Eltern total aufregt, was dir aber egal ist, dich regt es auf, dass deine kleinen Schwestern schon so früh durch die Wohnung lärmen und verdammt noch mal, muss dein Vater mitten in der Nacht den Rasen mähen?? Er sagt ja, und es gibt ein bisschen Streit.
Am Nachmittag kommen deine Freundinnen, ihr trinkt Asti spumante, esst Chips und  Yes-Torty, guckt erst Beverly Hills 90210 (oh Dylan, mein Dylan) und dann Melrose Place an, ihr kichert viel, deiner Freundin sprudelt der Asti aus der Nase, und ihr freut euch so unbändig auf den Abend. Ihr werdet losziehen, noch mehr Sekt und andere Mädchengetränke trinken, nach den Jungs gucken, tanzen, erst im Morgengrauen nach Hause kommen und es wird grossartig werden. 
Dann wird es ernst: die Vorbereitungen auf die Nacht. Saturday Night Fever. Die Leichtigkeit, die Vorfreude. Was wird passieren, alles ist möglich. Was sollst du bloss anziehen? Wird er auch da sein? Dass es toll werden wird, steht ausser Frage, nur wie toll wird es sein, du kannst es kaum erwarten. Du tanzt im Handtuch vorm Spiegel, singst in den Fön, probierst den ganzen Kleiderschrank durch und trinkst den letzten Rest Asti aus der Flasche und dieses Ritual ist mindestens genauso wichtig wie das Ausgehen selbst, wenn nicht noch ein kleines bisschen wichtiger. Irgendwann siehst du total super aus und ziehst los, du kommst natürlich zu spät, aber deine Freundinnen genauso und die Jungs wissen was los ist, auch ohne per SMS informiert zu werden, sie haben gelernt, sich in der Wartezeit zu beschäftigen. Trinken sie halt schon mal was.
Und dann geht sie los, die Samstagnacht, und what happens at saturday night, stays at saturday night (auch wenn das vermutlich grammatikalisch nicht korrekt ist, Ihr wisst, was ich meine)...
Ach, danke, Whigfield, alte Dänenschnitte, dass Du mich daran erinnert hast.

Kommentare

  1. Achtung, Peinlichkeit: Ich konnte sogar die Choreografie!
    Weiß genau, was Du meinst - mit diesem Wochendgefühl.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi hi, der Whigfield-Dance... Das waren noch Zeiten!

      Löschen
  2. Haaach, danke Silke, dass DU MICH daran erinnert hast. Und Whigfield natürlich auch. Ich lese hier echt so gerne! Liebe Grüße Suse

    AntwortenLöschen
  3. So...dann schick ich dir noch mehr Durchhaltemusik:
    Natürlich erstmal The one and only, weil man manchmal so Hymnen braucht.

    Und dann noch mein Ohrwurm gerade: Hymn, weil wir ja gerade schon bei dem Thema waren.

    Oh und wie liebe ich dich für Se a vida e....ich glaube eins meiner liebsten Lieder überhaupt, da kann ich keinen Fitzel Peinlichkeit dran finden :))). Einfach nur schön und Wärme im Bauch erzeugend und glücklich machend.

    Ahso...aber bei den Korrekturen vor kurzem musste ich leider manchmal eher hier dran denken...auch wenn ich weiß, dass es in manchen Fällen ungerecht ist:
    Ship of fools

    Ich suche dann mal weiter nach dem Knopf, der macht, dass mir das feige und bösartige Verhalten nach der letzten Korrektur nichts mehr ausmacht. Grrr.
    Juhu Feierabend :).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Große Ohrwürmer hast Du da, vor allem den Chesney kriegt man ja kaum wieder weg... Und, oh, Erasure! Nach meinen Korrekturen kann ich nur sagen: ab auf's Narrenschiff, so geht's ja auch nicht!

      Aber heute ist Freitag und bald ist Wochenende, hurra, genieß' es!

      Löschen
  4. Hach...ich les so gern bei dir! Total witzig geschrieben und sooo wahr! Hier mein Favourite-Samstagabend-Vorbereitungs-Song:Spring von RMB! Bringt mich sofort wieder 16 Jahre zurück.http://www.youtube.com/watch?v=wUplEgPMMAM
    (Für meine Mutter war das Affenmusik;)

    Beim letzten Mädelsabend wurden die uralten Bravohits ausgepackt und wir waren alle immer noch textsicher, sogar die falsch ausgesprochenen Wörter sitzen noch;) Ein paar konnten sogar noch den Tanz dazu: Freestyle. Habt ihr das auch getanzt?
    http://www.youtube.com/watch?v=ouGYgAvUizI

    Und nichts geht über Chesney Hawkes! Danke, jetzt weiß ich was ich zum Zeugnisschreiben hören werde, vielleicht fällts dann leichter....;)
    Heike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, als Eltern macht man schon was mit, was die musikalischen Vorlieben der lieben Kinder angeht. Ich bewundere meinen Vater noch immer dafür, was er bei langen Autofahrten alles stoisch über sich ergehen liess...
      Den Freestyle haben wir nicht getanzt, aber wenn ich ihn mir so angucke: irgendwie sah's ähnlich aus.
      Liebste Grüsse & ein schönes Wochenende!

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mein guter Vorsatz.

Ich habe nie gute Vorsätze für's neue Jahr.  Das mag daran liegen, dass ich bei den üblichen Verdächtigen schon längst ein Häkchen gemacht habe. Rauchen aufhören? Ich hab' nie geraucht. Weniger Alkohol trinken? Ich trinke ungefähr 6 mal im Jahr Alkohol, vermutlich wäre weniger gefährlich. Sport machen? Mach' ich schon, fühl' mal meinen Bizeps. Nee, besser doch nicht. Aber Sport mach' ich. Gesünder essen? Pffff, seit Jahren. (Oh Gott, wenn ich das lese, sollte ich mir vielleicht vornehmen, nicht der langweiligste Streber auf Erden zu werden. Aber nein, da habe ich ja schon vorgesorgt. Wenn ich anfange, jahreszeitbezogene Fensterbilder mit Window Color zu malen, schlägt L. mich k.o.).  Wenn ich etwas tun will, dann tue ich es. Oder ich lasse es. Oder ich kann mich nicht entscheiden und jammere. Aber ganz sicher nicht an einem bestimmten Datum. Und ich hasse Silvester. Diese übertriebene Erwartungshaltung, ein Jahr endet, ein neues beginnt, da muss doch die b...

Hoffnung und Liebe

23.02., 16 Uhr, alles ruhig in der Armbeuge 23.02., 17 Uhr, waaaaah! 24.02., 7 Uhr, es ist immer noch da. Nach dem Geburtstagsessen meines Schwagers (es gab den Himalaya aus Kässpätzle mit einem Nebengebirge aus geschmälzten Zwiebeln, diese gutbürgerlichen Restaurants immer, als gäb's nie wieder was zu Essen), Monster malen ("ich mal Fresso und du Glotzer"), Fratzen-Fotos und Sofa schleudern mit den Kindern, wollte ich eigentlich nur kurz ins Tattoo-Studio, um mich nach einem Termin zu erkundigen und dann schnell nach Hause, ich fühlte mich wie Fresso (ich habe das Kässpätzle-Zwiebel-Gebirge selbstverständlich aufgegessen). Der nette junge Mann warf nur einen kurzen Blick auf meinen Entwurf, zog die Augenbrauen hoch und sagte: "Des kann man schon machen, aber eigentlich geht Tattoo anders." Und "Termin brauchsch' dafür net, Termin brauchsch' nur für richtige Tattoo, des mach' ich glei, mir isch eh' langweilig." Das ist ...

1000 Fragen an mich selbst: 1-40

   1000 Fragen an mich selbst - eine Idee, die ich irgendwo im Internet aufgeschnappt habe und die mir gefallen hat. Weil ich gerne über mich nachdenke und erzähle und weil ich Lust darauf habe, wieder etwas hier zu schreiben. Und weil es schön ist, mal andere Fragen zu beantworten als "Kommt das in der Klausur dran?" oder "Können wir heute mittag frei kriegen?" (Anwort: Erstens ja, zweitens nein.). Vielleicht komme ich gar nicht weiter als bis Frage 40, vielleicht doch. Vielleicht bin ich die Einzige, die Lust darauf hat, aber das wäre ja auch okay. Also fange ich einfach an. Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan? Ich habe neulich das erste Mal die Note "ungenügend" vergeben. Das hat sich sehr komisch angefühlt und überhaupt keinen Spaß gemacht. Mit wem verstehst du dich am besten? Mit meinem Freund. Der gleichzeitig auch mein bester Freund ist. Worauf verwendest du viel zu viel Zeit? Unnötige Grübeleien. Was wenn meine Beziehung...